
Zum offenen Konflikt über die Verfolgung von schwulen Männern in Ägypten kam es während der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin zwischen Vertretern der MeRSI-Gruppe von amnesty international (ai) einerseits sowie ägyptischen Vertretern der Reisebranche aus Ägypten und der Fluggesellschaft Egyptair andererseits. Eine Gruppe unerschrockener ai-Aktivisten verteilte an zwei Abenden rund 1000 Flugblätter vor Berliner Luxushotels an die Crème de la crème der Reisekonzerne: Am ersten Abend hatte die staatliche Fluggesellschaft Egyptair ihre besten Kunden, am zweiten Abend das ägyptische Fremdenverkehrsamt mehrere Hundert Manager der deutschen Reisebranche, Diplomaten und Fachjournalisten zu Gala-Dinnern eingeladen. Statt der Vorspeise bekamen die Ehrengäste am Hoteleingang erst einmal schwere Kost gereicht: ungeschönte Informationen über die Welle der Verfolgung von schwulen Männern in Ägypten, die seit einem knappen Jahr inzwischen rund 30 Männern Gefängnisstrafen eingebracht hat. Der neue offizielle Ägypten-Werbespruch "Auf jedem Gesicht ein Lächeln" prangte nun über einem authentischen Foto von verängstigten jungen Männern hinter den Gittern des Angeklagten-Käfigs im Gerichtssaal von Kairo und einem Aufruf and die Gäste, während der Galaabende an die Vertreter Ägyptens zu appellieren. Dies konnte auch dem ägyptischen Tourismus-Minister Mamdouh El-Beltagui nicht entgehen, der am zweiten Abend in seiner Limousine an den Transparenten von amnesty langsam vorbeifuhr. Eine Reihe ägyptischer Gäste machte ihrer Verärgerung mit Beschimpfungen und Angriffen Luft, z.B. "Ihr seid gegen Ägypten! Ihr beschmutzt unser Land!". Einige wenige zeigten sich zwar nicht einverstanden, aber doch dialogbereit.
Obwohl sich die Aktion nicht gegen Egyptair richtete und keine Boykottforderungen gestellt wurden, fühlte sich ein Egyptair-Vertreter zu der Rechtfertigung genötigt: "Wir sind der falsche Adressat. Bei uns im Büro gibt es drei homosexuelle Mitarbeiter, und damit gibt es gar keine Probleme". Er vergaß natürlich zu erwähnen, dass diese Mitarbeiter nach einem solchen Outing bestenfalls nur ihren Job verlören, im schlimmsten Fall aber mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen müssten, wären sie nicht in einer Vertretung der Fluggesellschaft in Deutschland tätig, sondern in Ägypten.
Klartext sprach man bei Egyptair dann am ITB-Stand auf dem Messegelände. "Wir wollen keine homosexuellen Touristen und wir freuen uns, wenn keine kommen", erklärte ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft, der ungenannt bleiben wollte, gegenüber dem Journalisten Jürgen Bieniek vom Magazin gay-press. (Achtung Redaktionen! Bei Verwendung des vorangegangenen Zitats muss die Quelle mitgenannt werden! Danke!)
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